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|  | | Bergpredigt - Definition und Bedeutung |
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Inhaltsverzeichnis | |
5 Literatur
6 Weblinks
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Ihren traditionellen Namen hat die Bergpredigt von der Ortsangabe zu Beginn:
- Als Jesus die vielen Menschen sah, stieg er auf einen Berg. Er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm.
Mit dieser feierlichen Einleitung unterstreicht Matthäus die grundsätzliche Bedeutung der folgenden Rede und stellt sie in bewusste Parallele zur Thora, die Mose am Berg Sinai verkündete. Die hier zusammengestellten Worte Jesu sind als Proklamation einer "neuen Gerechtigkeit" verstanden, die der durch ihn anbrechenden Gottesherrschaft entspricht.
Die Eröffnung der Bergpredigt bilden die berühmten Seligpreisungen (5,3-12). Der Form nach stehen sie in der Tradition der Weisheitsliteratur ("Wohl dem, der..."). Ihr Inhalt stellt allerdings die Alltagsmaßstäbe der Glückseligkeit auf den Kopf und verknüpft sie mit geistlicher Armut, Trauer, Sanftmut, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Pazifismus und Leidensschonchaft.
Es folgen die Gleichnisworte vom "Salz der Erde" und "Licht der Welt" (5,13-16), die die Jüngergemeinschaft der neuen Gerechtigkeit in ihrem Verhältnis zu den übrigen Menschen charakterisieren.
Daran schließt sich eine Grundsatzreflexion über das Verhältnis unter "Gesetz und Propheten" und der Lehre Jesu an (5,17-20): nicht Aufhebung, sondern Erfüllung durch Radikalisierung.
Dies wird im folgenden Hauptteil, den Antithesen, an verschiedenen Themen gezeigt: Töten und Versöhnung (5,21-26), Ehebruch und Ehescheidung (5,27-32), Eid und Wahrhaftigkeit (5,33-37), Vergeltung und Feindesliebe (5,38-48). Jedesmal stellt Jesus einem (frei zitierten) alttestamentlichen Gebot sein autoritatives "Ich aber sage euch" gegenüber. Das Gebot wird auf seine eigentliche Intention zurückgeführt und von daher zu neuer, uneingeschränkter, bedingungsloser Geltung gebracht.
Das sechste Kapitel enthält eindringliche Warnungen vor Veräußerlichung und Heuchelei ("dein Vater, der das Verborgene sieht..."; 6,1-8;14-18), und im Zentrum der gesamten Komposition eingefügt das Vater unser als "kindliches" Gebet der neuen Gerechtigkeit (6,9-13). Daran schließen sich Mahn- und Gleichnisworte gegen den Reichtum, die "Sorge" und mangelndes Vertrauen in die Gottesherrschaft.
Das siebte Kapitel beginnt mit dem Verbot des Verurteilens anderer (7,1-5). Es folgt ein Einzelwort über die Entweihung des Heiligen (7,6), ein zusätzliches Gleichniswort vom Gebetsvertrauen (7,7-11) sowie die " Goldene Regel": Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut ebenso ihnen! Darin besteht das Gesetz und die Propheten (7,12).
Den Abschluss der Bergpredigt bilden das Mahnwort vom "engen Tor" (7,13f), die Warnung vor heuchlerischen Glaubenslehrern (7,15-23) und das Gleichnis vom Hausbau auf Felsen oder auf Sand für ein Leben mit oder gegen die Grundsätze der Bergpredigt (7,24-27).
Der feierlichen Einleitung entspricht ein ebensolcher Schluss: Als Jesus diese Rede beendet hatte, war die Menge sehr betroffen von seiner Lehre, denn er lehrte sie wie einer, der Vollmacht hat, und nicht wie ihre Schriftgelehrten (7,28f).
2.1 Die Feldrede des Lukas
Das Lukasevangelium weist in der Feldrede (6,20-49) eine Parallele von kleinerem Umfang auf, doch von vergleichbarer Struktur. Typisch für die lukanische Fassung der Jesusworte ist, dass Armut und Hunger nicht spiritualisiert werden ("Armut vor Gott", "Hunger nach Gerechtigkeit"), sondern in ihrer materiellen Ursprungsbedeutung gemeint sind (6,20. 21b). - Es gibt Anhaltspunkte, dass die Feldrede in fixierter Gestalt Matthäus bei der Abfassung der Bergpredigt vorlag.
Die Bergpredigt sprengt alle Grundsätze einer maßvollen, pragmatischen Lebens- und Gemeinschaftsordnung. Sie verneint ausdrücklich jede Einschränkung durch real existierende Bedingungen, durch menschliche Schwäche, durch besonders gelagerte "Fälle" ( Kasuistik). Eine buchstäbliche Erfüllung scheint nicht möglich, nicht einmal knappfristig und vor dem Horizont urchristlicher Naherwartung des Weltendes.
Bereits der Jakobusbrief greift auf die Ethik der Bergpredigt zurück. Auch die Didache und Augustinus begreifen den Text als bedingungslose Anweisungen zum Handeln.
Doch schon Paulus reflektiert auf die Notwendigkeit einer gewaltgestützten Staatlichkeit (Röm. 13). Mit der Etablierung der Reichskirche setzen zusätzliche theologische Milderungsbestrebungen ein, die das Eidverbot, die Feindesliebe und den Gewaltverzicht relativieren.
Gegen alle Bestrebungen, die Bergpredigt realitätsverträglich zu entschärfen, wendeten sich radikalchristliche perfektionistische Bewegungen. Unter ihnen gab es solche, die der Kirche trotz Verdächtigungen nahe blieben ( Orden, Heilige), andererseits solche, die mit der Bergpredigt gegen die verfasste Kirche opponierten und dafür (ganz entsprechend Matth. 5,11) verfolgt wurden (" Ketzer": Waldenser, Katharer, Täufer).
Die Bergpredigt hat zu allen Zeiten gerade unter denen, die sie ernst nahmen, entschiedene Gegner gefunden, die in ihr eine Übersteigerung des Menschenmöglichen, eine Vergiftung wahrer Ethik oder eine Sklavenmoral sahen ( Friedrich Nietzsche).
Die lutherische Reformation antwortete auf die Bergpredigt mit der Zwei-Reiche-Lehre, wonach der Christ sein Leben einerseits in einem göttlichen, andererseits einem weltlichen Reich zu bewähren hat.
In der Gegenwart hat die von der Bergpredigt beeinflusste Politische Theologie durch Leonhard Ragaz, Dorothee Sölle und Jürgen Moltmann in besonderer Weise von sich Reden gemacht.
| · | "Mit der Bergpredigt kann man keine Politik machen." (Bismarck).
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| · | "Die Botschaft Jesu ist in der Bergpredigt enthalten, ganz und unverfälscht ... Wenn nur die Bergpredigt und meine eigene Auslegung davon vor mir läge, würde ich nicht zögern zu sagen: "Ja, ich bin ein Christ". Aber ich weiß, dass ich mich in dem Augenblick, in dem ich so etwas sage, den gröbsten Missverständnissen aussetzen werde. Negativ kann ich euch sagen, dass meiner Meinung nach vieles, was als Christentum gilt, eine Verleugnung der Bergpredigt ist ..." (Mahatma Gandhi)
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| · | "Wenn der Verstand sagt, es sei ausgeschlossen, erwidert der Glaube: Es ist doch möglich! Jeder Tag wird mit der Feststellung enden, dass wir versagt haben. Dennoch dürfen wir das Gebot nicht abwerfen." (Romano Guardini)
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