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 Christianisierung - Definition und Bedeutung

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Christianisierung (v. kirchenlat.: christianizare) bedeutet die Hinwendung ganzer Völker oder Kulturkreise zum Christentum.
Inhaltsverzeichnis

 1 Zum Sprachgebrauch

Im Unterschied zur individuellen Bekehrung eines Einzelnen beschreibt Christianisierung den in historischer Dimension verlaufenden Prozess, bei dem ganze Völker oder Kulturkreise mehrheitlich den christlichen Glauben annehmen.
Mission und Christianisierung sind verwandte Begriffe, wobei Mission sich auf den theologischen Aspekt und Christianisierung sich auf den langfristigen kulturellen und historischen Aspekt bezieht. Christianisierung ist siegreiche Mission ganzer Völker im historischen Horizont betrachtet.

 2 Christianisierung und Kultur

In vielen Fällen wurden bei der Christianisierung nicht nur die christliche Religion, sondern ebenso Elemente oder große Teile der Kultur der missionierenden christlichen Kultur übernommen - häufig weil die Missionare aus ihrer Zeit heraus nicht in der Lage waren, unter ihrem kulturellen Kontext und dem Christentum zu unterscheiden.
In einigen Fällen entwickelten sich allerdings nicht nur neue Formen des Christentums im Kontext der lokalen Kultur, sondern die Völker wurden durch die Christianisierung überhaupt zu einer eigenständigen kulturellen Identität befähigt (z.B. die Slawische Christianisierung durch Kyrill und Method).
Mancherorts gingen christliche Mission und Kolonialisierung Hand in Hand, während anderenorts scharfe Gegensätze unter Missionaren und Kolonisatoren aufbrachen.
Missionierung geht ebenso häufig Hand in Hand mit den Aufgaben der Entwicklungshilfe. Dabei werden neues Wissen, Verständnis und Fertigkeiten in eine Region hineingebracht. Dies können z.B. das Lesen, das Schreiben, biologische, handwerkliche und technische Kenntnisse sein. Weiterhin werden neue Werte vermittelt und Infrastrukturen, wie ungefähr Schulen, Pflegeheime oder ebenso Krankenhäuser, errichtet. Zugleich werden ebenso Kirchen, Klöster und Gehöfte im Sinne der Missionare erbaut. Es erwachsen folglich neue kulturelle Zentren, die in der Folge ganze Regionen dominieren können.

 3 Erscheinungsweisen

Christianisierung ist auf viele Arten geschehen, und in den meisten Fällen spielten mehrere Faktoren zusammen.
Faktoren auf religiösem Gebiet:
· In vielen Fällen kam zuerst die Mission von einzelnen reisenden Missionaren (Paulus im Römischen Reich, Bonifatius in Deutschland, Patrick in Irland, Kyrill und Method unter den Slawen) oder Missionarinnen (Nina in Georgien), die in der Folge zu Gemeindegründungen führte (allerdings sind solche Versuche längst nicht jederzeitgelungen)
· Einen großen Einfluss hatten ebenso freiwillige oder erzwungene Ortsveränderungen von Christen (Zerstörung von Jerusalem, Sklavenhandel und römische Armee in der Antike, Auswanderer und Siedler) die am neuen Ort ihren Glauben weiter pflegen und Einheimische dafür gewinnen.
· Dazu gibt es die klassische Mission, wo christliche Vorposten (Einsiedeleien, Klöster, Missionsstationen) durch Mission oder Diakonie für das Christentum werben.
Faktoren auf politischem Gebiet:
· Heiratspolitik (Burgunder)
· Kolonialisierung (Amerika)
· militärische Aktionen (Kreuzzüge) oder
· Eroberung (Baltikum, Reconquista, Buren in Südafrika)
Die Gewinnung des jeweiligen Herrschers für das Christentum war in manchen Fällen ein wesentlicher Faktor für die Christianisierung, in anderen kam sie erst nach ziemlich vollendeten Tatsachen (z.B. Eroberung durch das römische Reich) oder spielte überhaupt keine Rolle (z.B. Nordamerika). In Kulturen mit ausgeprägtem Gemeinschaftsbewusstsein konnte die Bekehrung des lokalen Oberhaupts ebenso fast selbstverständlich zur Bekehrung seiner Gefolgsleute führen, da die Gemeinschaft für alle wesentlicher war als die individuelle Entscheidung über die Religionszugehörigkeit.
In manchen Fällen führte die Christianisierung zur Eingliederung in die katholische Kirche, in anderen Fällen bildeten sich eigenständige lokale Kirchen (keltisches Christentum in Irland, Russland, Nordamerika, afrikanische Kirchen). An manchen Orten wurde das Christentum zur Staatsreligion erklärt, andere weitestgehend christianisierte Länder lehnen staatlichen Einfluss auf die Religion prinzipiell ab.

 4 Historie

Die erste als Staat christianisierte Nation war Armenien: die ersten Missionare, die Apostel Thaddäus und Bartholomäus hatten dort schon in der Mitte des 1. Jahrhunderts gepredigt und es entstand eine Untergrundkirche. Um 301 kam es dann nach einigen dramatischen Ereignissen, an denen Christen aus der Untergrundkirche beteiligt waren, durch die Bekehrung des Königs Tiridates zur Proklamation des Christentums als Staatsreligion.
Eine herausragende Rolle in der frühzeitlichen Missionierung von Mitteleuropa um das 6. Jahrhundert spielten iro-schottische Mönche, sowie die Einflüsse Roms. Sie wurde unter anderem vorangetreiben durch die Missionare Gallus, Columban, Bonifatius und Kilian, wobei diese Tätigkeit keinesfalls als ungefährlich zu gelten hatte. Um die wirkliche Missionsgeschichte herum bildeten sich ebenso viele Legenden.

 1 Christianisierung und Macht

Seit der Erhebung des Christentums zur Staatsreligion Roms gehen Christentum und weltliche Machthaber eine unheilige Allianz ein. In Deutschland ging die Christianisierung vom fränkischen König "Karl dem Großen" aus. Grundlage des Bündnisses war die christliche Ideologie des Gottesgnadentum. In den meisten germanischen Völkern galt eine dem Sachsentum ähliche Ordnung. Bei den Sachsen gab es keinen Adel oder Herschaftshirarchie. Gesetzgebung und richterliche Gewalt gingen vom Thing aus, der Versammlung der Freien. Lediglich für die Zeit eines Krieges, zur Verteidigung eines Angriffes oder für die Dauer eines Beutezuges wurde ein Herzog als militärischer Führer gewählt. Eine zentralistische Anhäufung von Macht war dabei weitgehend ausgeschlossen. Die Franken gingen mit der Christianisierung über zum Erbkönigtum, einer hierarchischen Ordnung von höherem und niederen Adel, dem Lehenssystem und der Leibeigenschaft der Bauern. Die Sachsen verweigerten sich am längsten der gewaltsamen Christianisierung, wobei die sächsischen Edelleute, in der Aussicht auf erbliche Titel, Macht und Reichtum, sehr viel eher zum Christentum wechselten, als die freien Bauern denen die fränkische Leibeigenschaft drohte.
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