Viele Texte und sogar literarische Werke des
Mittelalters sind in
sog. Sammelhandschriften überliefert; offensichtlich hat die heutige Vorstellung vom Einzelbuch als typischer Existenzform eines 'Werkes' obendrein nicht existiert. Der
Kodex war vielmehr materielle Aufbewahrungs- und Schmuckform von diversem Geschriebenem. Zuweilen war es wohl ebenso das Bestreben
der Besitzer solcher
Kodices, das Material oder "Wissen" zu einem
bestimmten Gegenstand oder Thema (z.B. höfische Ritterliteratur) so komplett wie möglich zu haben. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist das
Ambraser Heldenbuch vom Beginn des
16. Jahrhunderts; ein weniger bekanntes, aber dafür früheres Beispiel aus der Mitte des
14. Jahrhunderts ist der Kodex SBB-PK, Ms. germ. quart. 284, in dem Texte aus dem Bereich des Tristan-Komplexes versammelt sind. Die Buchwissenschaft und die
Kodikologie erforschen die verschiedenen konzeptionellen oder zufälligen Anlageprinzipen von Mischhandschriften und Sammelhandschriften.