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|  | | Industrialisierung - Definition und Bedeutung |
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Die Industrialisierung bezeichnet den Prozess des Übergangs von der Handarbeit zur Fabrikarbeit, der sich auf Maschinen stützte, sowie die Verbreitung dieser neuen Produktionsweise in allen Wirtschaftsbereichen. Deutsche Übergangsformen vom Handwerk ("Lohnwerk", dann "Preiswerk") waren zunächst das Verlagswesen (noch dezentrale Produktion - " Heimwerk" - bei zentraler Auftragsvergabe und Absatzpolitik durch Unternehmer = "Verleger"; Beispiele: Webwaren, Kuckucksuhren, Zigarrenproduktion, Bücher) und Manufaktur (zentrale Fertigung, allerdings am Fabrikationsort parallele Arbeitsplätze; Beispiele: Glas- und Seidenmanufakturen) zur fabriktypischen Arbeitsteilung.
Der Begriff Industrielle Revolution steht dabei besonders für die erste Phase der Industrialisierung. Arnold Gehlen hat sie für die bedeutendste Revolution der Produktivkräfte seit der "neolithischen Revolution" erklärt, seit also dem Übergang vom Jagen, Sammeln und Fischen zu Landwirtschaft und Viehzucht in der Jungsteinzeit vor rd. 20.000 Jahren.
Folgt man der Sektoreneinteilung von Fourastié - "Primärer Sektor" der Rohstoffgewinnung (Ackerbau, Viehzucht, Förderung von Bodenschätzen), "Sekundärer Sektor" der Verarbeitung, "Tertiärer Sektor" der Dienstleistungen, ebenso schon: "Quartärer Sektor" der Freizeitwirtschaft, "Quintärer Sektor" der Abfallwirtschaft - so sind in allen Sektoren Industrialisierungsprozesse aufgetreten, historisch ausgehend vom Sekundären Sektor.
Man kann für Beginn und Ende der "Industrialisierung" keine eindeutigen Jahreszahlen angeben. Nach Michael Rostovtzeff stand schon die hellenistische Antike der Diadochenstaaten auf der Schwelle zur Industrialisierung. Der Übergang von der Manufaktur zur Fabrik wird im neuzeitlichen Europa im England und Frankreich des ausgehenden 18. Jahrhunderts angesetzt und sich von hier aus über die ganze Erde verbreitet - einer der Hauptimpulse der weltweiten 'Verwestlichung' fast aller Gesellschaften.
Überall ist demgemäß von der Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen auszugehen: Gleichzeitig gab es in einigen Gebieten schon große Ansammlungen von Fabriken und in anderen Gebieten auf dem Lande bzw. in den Städten obendrein rein bäuerliche bzw. handwerkliche Produktionsweisen.
Während in England die Industrialisierung schon um 1770 einsetzte, breitete sie sich erst im 19. Jahrhundert allmählich von Westen nach Osten aus und begann um 1840 in Deutschland. Im Russischen Reich und in Japan begann sie erst nach 1880. Heute kann kaum obendrein ein Teil der Welt als von der Industrialisierung völlig unberührt bezeichnet werden. Auch auf hoher See finden sich Fabriken, beginnend mit dem Walfangmutterschiff, heute auffällig bei Erdölplattformen.
Auch der relative Rückgang der Industrie in einer Volkswirtschaft zu Gunsten anderer Wirtschaftsformen, die De-Industrialisierung, ist möglich. Diese ist ebenso in Teilen der altindustrialisierten Länder auf der Nordhalbkugel der Erde eingetreten.
Zunächst einmal führte die Industrialisierung zur Serien-, dann Massenproduktion. Zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte konnten Güter massenhaft zu günstigen Preisen hergestellt werden.
Aber es wurden vor allem zwei Nebenfolgen zunächst übersehen, welche die Industrialisierung mit sich brachte: zum Einen die Soziale Frage, zum Anderen ökologische Probleme. Während die Ausbeutung und Entfremdung der Arbeiter schon im 19. Jahrhundert geändert wurde, hat man die Folgen für die Umwelt wohl ebenso damals schon erkannt, vgl. den Roman "Pfisters Mühle" von Wilhelm Raabe, aber erst in den letzten Jahrzehnten als politisches Problem erkannt. Eine zusätzliche Folge der Industrialisierung ist die Rationalisierung der Produktion: Maschinenarbeit ersetzt jederzeitmehr menschliche (Hand-)Arbeit ( Ralf Dahrendorf: "Auszug der Gelernten, Einzug der Ungelernten"), was sich bei großen technischen Durchbrüchen (z. B. in der "Elektronischen Revolution" zeitweise durchaus umkehren konnte.
3 Wissenschaftliche Untersuchung 3.1 Wirtschaftswissenschaften
Im Einzelnen - und bis heute (2004) unüberholt, der ' Schwanengesang' der Historischen Schule in der deutschen Volkswirtschaftslehre - vgl. zur Industrialisierung Karl Bücher, Die Entstehung der Volkswirtschaft, zahlreiche Auflagen schon vor dem Ersten Weltkrieg.
3.2 Ingenieurwissenschaften
Bedeutsam ist der makrosoziologische Aspekt, unter dem generell die Einstellungen ( Werthaltungen) zur Industriearbeit bei Belegschaften und Kapitalisten, aber ebenso breiter Bevölkerungskreise untersucht wird. Da industrielle Fertigung weder 'ewige' obendrein knappfristige, sondern langfristige Dispositionen im Lebenshorizont von Lohnarbeit und Kapital verlangt, ist das Vorwiegen zunftorientierten Traditionalismus' bzw. spekulativen Spätkapitalismus' beides der Industrialisierung eines Landes schädlich.
Stark über die wirtschaftswissenschaftliche, produktionsorientierte Auffassung hinaus geht die soziologische Untersuchung der Industrialisierung der Destruktion, also vor allem des industrialisierten Krieges . Hier liegt die Parallele zum Übergang von Einzel- zu Massenproduktion im Übergang von der Einzel- zur Massendestruktion, zum Beispiel bei der Entwicklung von Entertaktiken und Handfeuerwaffen zur Schiffs- und Land- Artillerie (Entwicklung der Breitseite und des Trommelfeuers). In postmarxistischen Analysen werden hier "Soldaten" zu einem "struktiven Proletariat". ( Siehe ebenso: Arbeit.)
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