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 Institution - Definition und Bedeutung

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Institution (lat.: institutio = „Einrichtung”) bezeichnet
·  umgangssprachlich: eine Einrichtung, Organisation; häufig mit dem Sinn "alteingeführt" (z.B. "der Bockbieranstich in München ist schon eine Institution";
·  eine staatliche oder öffentliche Einrichtung, die dem Wohle oder Nutzen des Einzelnen oder der Allgemeinheit dient (z. B. "die Institution des öffentlich-rechtlichen Fernsehens");
·  veraltet: die Einsetzung in ein kirchliches Amt;
·  soziologisch: eine soziale Einrichtung (z. B. die Ehe).
Der Begriff wurde in die deutsche Soziologie von Arnold Gehlen und Helmut Schelsky (mit Rückgriff auf Bronislaw Malinowski) eingeführt, und als allgemeine Erwartung der Einhaltung bestimmter traditionsgestützter Regelwerke definiert, die verbindliche Geltung beanspruchen: „Institutionen sind also (...) bestimmte, in den Erwartungen der Akteure verankerte, sozial definierte Regeln mit gesellschaftlicher Geltung und daraus abgeleiteter „unbedingter“ Verbindlichkeit für das Handeln.“ (Hartmut Esser 2000, S. 6). Nach A. Gehlen verschränken sich in Institutionen allgemeine Bedürfnisse mit allgemeinen sachlichen Notwendigkeiten. Institutionen sichern so das Überleben und das Zusammenlebens und ermöglichen Handeln ohne ständige Reflexion auf deren Sinn.
Institutionen leiten das Handeln von Menschen, beschränken die Willkür (den Kürwillen) des individuellen Handelns, definieren den gemeinsamen Handlungsrahmen und mit ihm verbundene Verpflichtungen. Zu diesem Regelset bilden sich zugehörige Legitimierungsstrategien und Sanktionsmechanismen heraus. Damit üben Institutionen eine entlastende Funktion aus, indem sie eine kollektiv organisierte Bedürfnisbefriedigung sicherstellen und den einzelnen von elementaren Vollzügen freisetzen. Andererseits schützen sie die Gesellschaft vor individuell willkürlichen und chaotisch gegeneinander laufenden Handlungen und überführen sie in gesellschaftlich wohlgeordnete Abläufe.
Nach dem "Philosophischen Anthropologen" Gehlen ersetzen "Institutionen" dem Menschen, was dem Tier als "Instinkt" verfügbar ist; Dieter Claessens hat dies biosoziologisch kritisiert und differenziert (Konzept der "Instinktstümpfe"). Sie sind nach Gehlen notwendigerweise undurchschaubar und entfremdet, bieten aber damit die Möglichkeit für eine "höhere" Freiheit des Handelns.
Instutionen regeln für das Individuum und die Gesellschaft elementare Bereiche wie: Reproduktion, (Familie, Verwandtschaft), Erziehung, Bildung und Ausbildung, Nahrungsbeschaffung, Warenproduktion und Verteilung (Wirtschaft) und die Aufrechterhaltung einer gesellschaftlichen Ordnung (Recht, Politik), sowie der Kultur (siehe Bernhard Schäfers 1995 S. 134-137). Sie sind "bewährte Problemlösungen" für den Alltag - welche man sich ebenso als Komplex von Handlungs- und Beziehungsmustern vorstellen kann. Institutionen können ihr Abbild in Organisationen finden, sind aber davon deutlich zu unterscheiden. Während Institutionen handlungsleitende Regeln zur Verfügung stellen, definieren Organisationen formell Ziele, Mitgliedschaft und Organisationsabläufe.
Totale Institutionen wie Gefängnisse, Psychiatrische Anstalten, Schiffsbesatzungen oder Klöster kontrollieren alle Lebensäußerungen ihrer Mitglieder, können also den Freiraum des Individuums überaus stark einschränken und soziale Entwicklungen verhindern. Sie weisen folgende Merkmale auf (nach Goffman):
·  Totale Institutionen sind allumfassend. Das Leben aller Mitglieder findet nur an dieser einzigen Stelle statt und sie sind einer einzigen zentralen Autorität unterworfen.
·  Die Mitglieder der Institution führen ihre alltägliche Arbeit in unmittelbarer (formeller) Gesellschaft und [informaler] Gemeinschaft ihrer Schicksalsgefährten aus.
·  Alle Tätigkeiten und sonstigen Lebenäußerungen sind exakt geplant und ihre Abfolge wird durch explizite Regeln und durch einen Stab von Funktionären vorgeschrieben.
·  Die verschiedenen Tätigkeiten und Lebensäußerungen sind in einem einzigen rationalen Plan vereinigt, der dazu dient, die offiziellen Ziele der Institution zu erreichen.
Auf der anderen Seite bergen Prozesse der Deinstitutionalisierung, z. B. in gesellschaftlichen Wandlungsphasen, Risiken des Rückfalls in riskantes, rücksichtsloses und nur auf Durchsetzung der Eigenwünsche bedachtes Verhalten.
Die jüngere Soziologie vermied es gern, komplexe Sachverhalte wie "Familie" oder "Bundestag" als "Institution" zu bezeichnen, da sie wie auch Aspekte der "Institution" als ebenso der "Organisation" umfassen und organisationssoziologisch weniger Grundlagenprobleme aufzuwerfen scheinen. (Die "Institution der Ehe" ist derart genommen eine Organisation, deren Mitglieder die jeweilige Ehefrau und der jeweilige Ehemann sind.) Jedoch hat z.B. 2003 Michael Wildt den "Institutions"-Begriff nochmal furchtbar aufgenommen, um das Reichssicherheitshauptamt in der Zeit des Nationalsozialismus zu erklären.
Beispiele sind jegliche Regeln und Normen, Verfassung, Kartellrecht, Strafrecht, Verträge (allgemein), StVO, DIN-/ISO Norm, Unternehmensleitsätze, Landessprache, Benimmregeln, Sitten & Bräuche.
Auf die häufig mit parallelen sozialen Prozessen befasste soziologische Debatte zum Ritual ist zu verweisen.
Der soziologische Begriff der "Institution" wird volkswirtschaftlich in der "Neuen Institutionenökonomik" für die Erklärung der Bildung von Unternehmen und Unternehmensgrenzen verwendet - häufig aus Unzufriedenheit mit dem dort (und in der Betriebswirtschaftslehre) vielfach entfalteten "Organisations"-Begriff.
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