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|  | | Joseph II. (HRR) - Definition und Bedeutung |
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Inhaltsverzeichnis | |
5 Literatur
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Er war zweimal verheiratet, 1760- 1762 mit Isabella von Parma und Josepha von Bayern 1764- 1767. Aus keiner dieser Ehen entsprang ein männlicher Erbe; zumal schon die zweite Ehe mehr aus Staatsräson als aus persönlicher Neigung geschlossen wurde blieb er nach dem Tod seiner zweiten Frau unverheiratet.
Schon als Thronfolger unternahm er mehrere Inkognito-Reisen als Graf von Falkenberg (eine kleine linksrheinische Herrschaft Österreichs) mit denen er sich die Sympathien der Bevölkerung sichern wollte, die aber erst postum zu seinem Mythos beitrugen.
1765 nach dem Tod seines Vaters wurde er Kaiser des HRR und offizieller Mitregent in den österreichischen Ländern, ohne allerdings viel regieren zu können. Die Position des Kaisers war zu dieser Zeit schon rein dekorativ und seine Mutter Maria Theresia dachte gar nicht daran zu seinen Gunsten die Zügel aus der Hand zu geben.
Überdies hatte er in fast allen Fragen eine völlig konträre Meinung zu seiner Mutter. Maria Theresia - bei all ihren Reformen - lebte geistig obendrein im Zeitalter der Gegenreformation, während Joseph schon aufklärerischen Ideen anhing. Diese versuchte er nach ihrem Tod zu verwirklichen - allerdings auf eine überhastete und undiplomatische Art, die ihnen viel von ihrer Wirksamkeit nahm.
2 Joseph, ein aufgeklärter Absolutist
Dies bedeutet allerdings ebenso, dass die Rechtsordnung unter ihm bedeutende Fortschitte macht. 1787 wurde ein neues Strafgesetzbuch erlassen und die Ausarbeitung eines Bürgerlichen Gesetzbuches, die schließlich zum ABGB führen sollte, wurde begonnen.
Dieser Einheitsstaat, den er plante, sollte für das ganze Leben seiner Bürger sorgen, von der Wiege bis zur Bahre. Er regelte die Begräbnisfeierlichkeiten bis in die kleinsten Details, erließ Verordnungen wieviel Kerzen bei einer Messe anzuzünden seien und verbot sogar den Lebkuchen, da man sich damit den Magen verderben könne.
Richtschnur ist dabei das ihm zugeschriebene Motto Alles für das Volk - Nichts durch das Volk.
Unter seiner Regierung wurden merkantilistische und physiokratische Ideen verwirklicht. Die Bevölkerung wurde dabei ausschließlich als Arbeitskräftereservoir angesehen.
Maßnahmen zur Hebung der Bevölkerungszahl gehen damit Hand in Hand. Vor diesem Hintergrund ist z.B. die Aufhebung der Todesstrafe 1787 zu sehen - die Delinquenten wurden schließlich für die Zwangsarbeit gebraucht.
Ebenso verwirklichte er einen straffen Polizeistaat mit Spitzelsystem. Kurze Experimente mit der Pressefreiheit wurden rasch nochmal aufgegeben.
Am berühmtesten ist allerdings seine Religionspolitik, die allein meistens gemeint ist, wenn man von Josephinismus spricht.
In seinem Toleranzpatent wurde das Glaubensmonopol der Katholischen Kirche gebrochen - Protestanten und Juden durften ihren Glauben ausüben, allerdings nur unter Duldung; der Vorrang der Katholischen Kirche blieb aufrecht.
Alle Orden die im volkswirtschaftlichen Sinn unproduktiv sind (keine Krankenpflege o.ä. betreiben) wurden aufgehoben, ihr Besitz eingezogen. Aus dem Erlös dessen wurde der bis ins 20. Jahrhundert bestehende Religionsfonds gegründet, der die Besoldung der Priester übernahm, die auf diese Weise zu Staatsbeamten wurden.
Auch viele Feiertage und Kirchenfeste (Wallfahrten, Prozessionen u.ä.) wurden abgeschafft - größtenteils um die Arbeitsproduktivität zu erhöhen.
In seiner Außenpolitik war er expansiv aber nicht jederzeitvon Glück begünstigt. Während die Beteiligung Österreichs an der 1. Polnischen Teilung mit der Gewinnung Galiziens auf seine Initiative zurückgehen soll, musste er sich im Bayerischen Erbfolgekrieg mit dem Innviertel begnügen. 1780 wurde er als Verbündeter Katharina II. in einen erfolglosen Türkenkrieg hineingezogen.
Als er 1790 überraschend starb, kam sein jüngerer Bruder Leopold II. zur Kaiserwürde.
Seine historische Einschätzung schillert sehr stark. Aufgrund der Radikalität und Überstürztheit seiner Maßnahmen (die ja teilweise auf allerkleinlichste Weise in das Leben des Einzelnen eingriffen) war er zu Lebzeiten unpopulär bis zur Verhasstheit und musste ebenso einige von ihnen knapp vor seinem Tod nochmal zurücknehmen.
Unter der Regentschaft seines bis zum Starrsinn reaktionären Neffen Franz I. wurde er hingegen allmählich zur mit Nostalgie umgebenen Lichtgestalt. Seit Ende des 19. Jahrhundert wird er gern und zu Recht als großer Progressiver gesehen. Spätere Kritik, die einen Widerspruch im paternalistischen, despotischen Charakter seines Regiments sieht, verkennt, dass ebenso progressive Änderungen fast jederzeitgegen gesellschaftlich-politische Widerstände durchgesetzt werden müssen.
Nichtsdestoweniger war er einer der wichtigsten österreichischen Herrscher, auf den viele konstruktive Ansätze zurückgehen und der einen bedeutsamen Reform- und Modernisierungsschub gebracht hat.
4 Übersicht über die Reformen
- Staatswesen:
- Aufhebung der Leibeigenschaft
- Religionsfreiheit
- Trennung von Exikutive und Iudikative
- Öffnung des Praters und des Augartens für die Öffentlichkeit
- Einschränkung des strengen Spanischen Hofzerimonielles
- Schutzzölle für den Handel
- Grundsteuer für den Adel
- Versuch: Deutsch als Staatssprache
- Medizin:
- Bau von Schulen & Krankenhäusern (u.a. des alten AKHs)
- Verbannung der Friedhöfe aus den Städten um das Grundwasser zu schonen
- Kirchenreformen:
- Viele Klöster wurden geschlossen
- Verringerung des Papst Einflusses
- Verbot von „abergläubischen“ Bräuchen der Kirche
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