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|  | | Paracetamol - Definition und Bedeutung |
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Kalottenmodell des Paracetamols
Paracetamol, im englischsprachigen Raum besser bekannt als Acetaminophen, ist ein schmerzstillendes und fiebersenkendes Medikament bzw. der Wirkstoff in entsprechenden Darreichungsformen. Genutzt wird es in verschiedenen Medikamenten, ungefähr Erkältungsmitteln, sowie als Hauptbestandteil vieler Schmerzmittel und Teil von Kombipräparaten (zum Beispiel Thomapyrin). Seit ihrer Einführung zählen Arzneimittel mit dem Wirkstoff Paracetamol weltweit zu den beliebtesten und bekanntesten Schmerzmitteln neben jenen, die Acetylsalicylsäure (Aspirin) oder Ibuprofen enthalten.
In kleinen Dosen gilt Paracetamol als weitgehend unschädlich, aufgrund der einfachen Beschaffung kommt es allerdings nicht selten zu Überdosierungen sowie langfristigen Anwendungen des Präparates im Rahmen einer Selbstmedikation. Verwendung findet es vor allem bei leichten Schmerzen, ungefähr Kopfschmerzen, Migräne, oder leichten Zahnschmerzen, aber ebenso bei Sonnenbrand und arthrosebedingten Gelenkschmerzen.
Die beiden gebräuchlichen Namen leiten sich ab von der korrekten chemischen Bezeichnung des Stoffes, N-acetyl-para-aminophenol.
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Inhaltsverzeichnis | |
10 Literatur
11 Weblinks
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1 Handelsmarken und Darreichungsformen
Acetaminophen gehört in die Gruppe der Nichtopioid-Analgetika und ist als Schmerzmittel ( Analgetikum) und Fiebersenker (Antipyretikum) in deutschsprachigen Ländern von mehreren Herstellern unter verschiedenen Markennamen erhältlich, zum Beispiel ben-u-ron, Captin, Fensum, Mexalen, Paedialgon, Paracetamol-ratiopharm, Perfalgan. In Amerika ist es vor allem als Tylenol (McNeil-PPC, Inc.), Anacin-3 und Datril bekannt, in Asien und Australien als Panadol. Das bekannteste Kombipräparat in Deutschland, welches Paracetamol enthält, ist Thomapyrin, andere sind ungefähr Neuralgin oder Dolomo. Auch mit dem Opiat Tramadol wird Paracetamol kombiniert eingesetzt.
Paracetamol ist in entsprechender Aufbereitungsform in Deutschland zur oralen, rektalen und intravenösen Anwendung zugelassen. Erwachsenen wird es bevorzugt als Tablette oder Kapsel verabreicht, Kindern als Zäpfchen oder Sirup; ansonsten wird es zum Beispiel nach Operationen als Infusion gegeben. Dabei ist der normale Wirkstoffgehalt einer Tablette in Deutschland für Erwachsene 500 oder 1000 Milligramm (in einigen Ländern wie zum Beispiel in Deutschland nicht oder nur als Zäpfchen zu bekommen), für Kinder 125, 250 oder 500 Milligramm, alle drei nur als Zäpfchen, intravenös werden 1000 Milligramm gegeben.
Paracetamol ist rezeptfrei erhältlich und apothekenpflichtig. Es hat bei korrekter vorsichtiger Dosierung wenig Nebenwirkungen, nur selten treten allergische Reaktionen auf. Bei Überdosierung (über 150 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht) kann es tödlich wirken, indem es die Leber irreparabel schädigt. Eine übliche Dosierung für Erwachsene ist 500 Milligramm alle vier Stunden.
2 Unterschied zu anderen Schmerzmitteln
Anders als andere bekannte Schmerzmittel wie Aspirin oder Ibuprofen besitzt Paracetamol keine entzündungshemmenden Wirkstoffe und wird entsprechend nicht in die Gruppe der "Nicht- steroiden Entzündungshemmer" (engl. non-steroidal anti-inflammatory drugs, NSAID) eingeordnet (siehe ebenso Nichtopioid-Analgetikum). Aus diesem Grunde greift Paracetamol bei normaler Dosierung nicht den Magen an und wirkt ebenso nicht pathologisch auf das Blut (Blutverklumpung, Koagulation), die Nieren oder auf den Embryo bei schwangeren Frauen.
Auch ein Einfluss auf den Gemütszustand, wie er ungefähr bei Opiaten vorkommt, gibt es bei Paracetamol nicht. Abhängigkeit sowie Abstoßungsreaktionen durch den Körper sind gleichfalls ausgeschlossen.
Die vollständige Wirkung von Paracetamol ist bis heute nicht geklärt, gemeinhin wird allerdings der folgende Mechanismus angenommen:
Die Schädigung einer Zelle durch mechanischen, chemischen oder thermischen Reiz aktiviert zunächst ein Enzym, eine so genannte Cyclooxygenase mit der Bezeichnung COX-2, das seinerseits die Produktion einer speziellen Klasse von Hormonen, der Prostaglandine, katalysiert. Prostaglandine sind nicht nur essentiell für die Regulation verschiedenster Körperfunktionen wie ungefähr des Blutdrucks oder der Nierenfunktion, sondern wirken ebenso entzündungsfördernd und schmerzverstärkend und spielen folglich eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Schmerzen, Fieber und Entzündungen. Paracetamol, das bei oraler Aufnahme vorwiegend im Dünndarm aufgenommen bzw. resorbiert wird, wirkt dem entgegen, indem es seinerseits die Aktivität von COX-2 (und COX-3) herabsetzt und damit die Produktion der schmerzfördernden Prostaglandine verringert.
Während andere Medikamente das aktive Zentrum von COX direkt blockieren, wirkt Paracetamol indirekt. Diese indirekte Blockierung wirkt im Gehirn, aber nicht in Immunzellen, die hohe Konzentrationen von Peroxiden haben. Dies ist der Grund warum Paracetamol - im Gegensatz zu Aspirin - keine entzündungshemmende Wirkung besitzt.
Paracetamol ist vor allem dafür bekannt, dass es bei richtiger Anwendung nur sehr selten negative Begleiterscheinungen aufweist. Zu diesen meist als Überempfindlichkeitsreaktionen auftauchenden Nebenwirkungen zählen ungefähr Übelkeit, Hautrötungen und -ausschlag, Schweißausbrüche und Blutdruckabfälle. Extrem selten kommt es zu Störungen der Blutbildung (allergische Thrombozytopenie oder Leukopenie) oder zu einer Verkrampfung der Atemmuskulatur (Analgetika- Asthma).
Der Abbau von Paracetamol erfolgt vor allem in der Leber, wo der größte Teil des Stoffes durch Verbindung mit Sulfaten oder Glucuronid inaktiviert und dann über die Nieren ausgeschieden wird. Ein kleiner Teil wird über das Cytochrom P450- Enzym-System abgebaut.
Die toxische Wirkung beim Abbau lässt sich auf ein in kleinen Mengen entstehendes Produkt zurückführen, das reaktive N-acetyl-p-benzochinon-Imin. Dieses wird durch Glutathion sofort weiter abgebaut.
Bei einer Überdosierung von mehr als 150 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht oder 7,5 Gramm für Erwachsene versagt der Abbaumetabolismus, da kein Gluthation mehr zum gezielten Abbau zur Verfügung steht. Das Chinonimin reagiert im folgenden nun unkontrolliert mit anderen Verbindungen der Zelle, was mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer irreversiblen Schädigung und damit zum Untergang der Leberzellen und im Ganzen zum Leberversagen führt. Dieses kann zum Tod führen, wenn es nicht behandelt wird.
Ein geeignetes Gegenmittel bei einer Paracetamolvergiftung ist - als SH-Donator und als Ersatz des Gluthations - N-Acetylcystein (Handelsname Fluimucil), falls es im Innern von zehn Stunden verabreicht wird. Wer Alkohol zu sich genommen hat, sollte Paracetamol nicht verwenden, da die mit dem Alkoholabbau beschäftigte Leber dieses nicht mehr korrekt verarbeiten kann.
Paracetamol-Intoxikationen kommen heute oftmalsaufgrund suizidaler Absichten vor, da "klassische Suizidalmedikamente" wie Schlaf- oder Beruhigungsmittel keine ausreichend toxischen Eigenschaften mehr besitzen. Anstelle dessen wird verstärkt zu freiverkäulichen Analgetika, wie Paracetamol gegriffen. Problematisch ist hierbei, dass die lebensprodrohlichen Symtome sich erst nach erheblicher und zum Teil symtomfreier Latenzzeit von 12 bis 24 Stunden einstellen. Findet eine Therapie erst dann statt, kann die Leberschädigung schon weit fortgeschritten und irreversibel sein. Die Zahl der Lebertransplantationspflichtigen ist aus diesem Grund gerade bei jungen Menschen stark gestiegen.
Die chemische Verbindung Paracetamol lässt sich durch die Summenformel C 8H 9NO 2 bzw. HO-C 6H 4-NH-CO-CH 3 beschreiben und ist ein Derivat des 4-Aminophenols, also ein Phenol und damit ein Aromat; gleichzeitig ist es ein Derivat des Anilins. Daneben lässt sich Paracetamol ebenso als Acetamid, also als Amid der Essigsäure auffassen und leitet sich ebenso vom Acetanilid (Phenylacetamid) ab, das selbst ebenso als Fieber- und Schmerzmittel wirkt. Phenacetin und Paracetamol gehören zur Schmerzmittelgruppe der Anilinderivate.
Der chemische Name von Paracetamol lautet 4-Hydroxyacetanilid oder para-(N-acetyl)aminophenol, von letztgenannter Bezeichnung leiten sich die Namen Paracetamol (para-(N-acetyl)aminophenol) und Acetaminophen (para-(N-acetyl)aminophenol) ab.
Paracetamol ist ein weißer, kristalliner Feststoff mit einem Schmelzpunkt von 170 °C. Es ist in Alkoholen gut löslich, in kaltem Wasser dagegen nur mäßig (14 Gramm/Liter bei 20 °C), wohl aber in kochendem Wasser. Es hat eine Dichte von 1,293 Gramm pro Kubikzentimeter und eine Molmasse von 151,165 Gramm. Paracetamol ist als Phenol schwach sauer - der pH-Wert einer wässrigen Lösung liegt bei ungefähr sechs - und hat einen leicht bitteren Geschmack.
Vor der Entwicklung des Paracetamol war als einziges Schmerzmittel die Rinde des Chinabaumes bekannt, aus der ebenso das Anti- Malaria-Mittel Chinin gewonnen wird. Als die Beschaffung dieser Rinde aufgrund der abnehmenden Anzahl der Bäume und der zunehmenden Nachfrage schwieriger wurde, entstanden in den 1880er Jahren zwei Alternativen, das Acetanalin ( 1886) sowie das Phenacetin ( 1887). Paracetamol selbst wurde erstmals 1873 (nach anderen Quellen 1878) von Harmon Northrop Morse hergestellt, als er p-Nitrophenol mit Zinn in Eisessig reduzierte. Vignolo führte eine gezieltere Synthese durch, die von Aminophenol ausging, dass er mit Essigsäure umsetzte, Friedlander verbesserte das Verfahren weiter durch die Verwendung von Essigsäureanhydrid als Acetylierungsmittel. Bis 1893 wurde Paracetamol allerdings nicht medizinisch verwendet. In letzterem Jahr wurde der Stoff Paracetamol erstmals im Urin eines Menschen nachgewiesen, der Phenacetin zu sich genommen hatte, und zu einem weißen Pulver konzentriert. 1899 wurde das Paracetamol ansonsten als Stoffwechselprodukt des Acetanalin erkannt - diese Entdeckung wurde allerdings weitgehend ignoriert.
Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Paracetamol bekannter, als es 1948 von Bernard Brodie und Julius Axelrod am New York City Department of Health ein zweites mal als Metabolit von Phenacetin identifiziert wurde. Diese forschten im Regierungsauftrag nach neuen Schmerzmitteln und zeigten in ihrer Arbeit auf, dass der schmerzstillende Effekt des Acetanalin und des Phenacetin vollständig auf das Abbauprodukt dieser Stoffe, das Paracetamol, zurückzuführen ist. Sie regten an, diesen Stoff in seiner Reinform zu nutzen, um die toxischen Nebenwirkungen der Ursprungsstoffe zu vermeiden.
Ab 1956 war Paracetamol in Tablettenform mit 500 mg Wirkstoff erhältlich und wurde in Großbritannien unter dem Markennamen Panadol ® verkauft, hergestellt von der Firma Frederick Stearns & Co, die ein Ableger der Sterling Drug Inc. war. Panadol ® war ausschließlich auf Rezept zu bekommen und wurde als schmerzstillendes und fiebersenkendes Mittel beworben, welches nebenher den Magen schont. Die damals schon bekannten Aspirin-Derivate waren weniger magenfreundlich. 1958 kam zusätzlich eine Kinderversion des Präparates auf den Markt mit dem Namen Panadol Elixir ®. 1963 wurde Paracetamol in den britischen Katalog der pharmazeutischen Stoffe aufgenommen, den "British Pharmacopoeia". Dort wurde es als Analgetikum mit kleinen Nebenwirkungen und wenig negativen Wechselwirkungen mit anderen Stoffen beschrieben; knapp danach wurde es ebenso in anderen europäischen Staaten eingeführt.
Die eigentliche Wirkweise des Stoffes war sehr lange unbekannt. Erst zu Beginn der 1970er Jahre fand der britische Pharmakologe John Vane heraus, dass die Wirkung von Paracetamol und anderen nichtsteroiden Schmerzmitteln auf der Hemmung der Cyclooxygenase COX beruht. Für diese Entdeckung erhielt Vane 1982 gemeinsam mit Sune Bergström und Bent Samuelsson den Nobelpreis für Medizin.
1982 starben sieben Patienten in Chicago, nachdem sie Paracetamolkapseln in Form des sehr stark dosierten Produktes Tylenol zu sich genommen hatten, die offensichtlich ebenso Cyanide enthielten. In den Kapseln fand man später jeweilig 65 Milligramm des starken Giftes und damit die ungefähr 10.000fache tödliche Dosis für eine erwachsene Person. Der Hersteller der Präparate Johnson & Johnson Corporation startete eine landesweite Rückrufaktion seiner Tylenol-Kapseln und warnte in Medienberichten vor der Einnahme der Kapseln und Tabletten. Da spätere Analysen das Gift nur in Kapseln nachwiesen, wurde das zusätzliche Vorgehen nur obendrein auf diese beschränkt. Dieser Vorfall kostete die Firma ungefähr 100 Millionen Dollar, sie wurde allerdings für ihre schnelle und konsequente Reaktion durchweg gelobt.
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