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 Talcott Parsons - Definition und Bedeutung

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Talcott Parsons
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Talcott Parsons
Talcott Parsons (* 13. Dezember 1902 in Colorado Springs; † 8. Mai 1979 in München) war ein US-amerikanischer Soziologe.
Parsons ist mit einer Handlungstheorie hervorgetreten, hat diese zum Strukturfunktionalismus zusätzlichentwickelt und diesen schließlich zu einer Systemtheorie ausgebaut.
Inhaltsverzeichnis
3 Sekundärliteratur

 1 Werk

Wichtige Monografien sind die vier nachfolgend genannten, wobei anzumerken ist, dass ebenso die zahlreichen u.a. Aufsatzsammlungen gelesen werden sollten.
·  "The Structure of Social Action" (1937)
·  "The Social System" (1951)
·  "Economy and Society" (1956; gemeinsam mit Neil J. Smelser)
·  "The American University" (1973; gemeinsam mit Gerald M. Platt und mit einem Nachwort von Neil J. Smelser versehen)
"The Structure of Social Action" richtet sich gegen diverse Spielarten des Utilitarismus. Auf der Grundlage der Werke fünfer europäischer Autoren (erklärtermaßen Alfred Marshalls, Vilfredo Paretos, Émile Durkheims und Max Webers, eher verschwiegen Ferdinand Tönnies') entwickelt Parsons eine "voluntaristische Handlungstheorie", die aus den Dilemmata des "positivistischen" Schemas herausführen soll.
In "The Social System" werden die in der "Structure" herausgearbeiteten Grundelemente des Handelns dimensional erweitert und auf die Bildung komplexer Strukturzusammenhänge in Wirtschaft und Gesellschaft bezogen. Parsons bedient sich dabei des empirisch-begrifflichen Instruments der Handlungsalternativen ("pattern variables"), die nicht nur die erschöpfende Analyse des Rollenhandelns ermöglichen, sondern sogar die Grundstrukturen ganzer Gesellschaften bestimmen helfen sollen.
Die Komplexität der Austauschverhältnisse unter Wirtschaftssystem, Persönlichkeitssystem, Gemeinschaftsstrukturen (Familienhaushalten), politischem und sozio-kulturellem System wird in "Economy and Society" analytisch entfaltet. Das Werk stellt den Übergang - oder den Bruch, wie Kritiker meinen - vom Struktur- hin zum Systemfunktionalismus dar.
Vor dem Hintergrund der studentischen Unruhen der 1960er Jahre analysieren Parsons und der Psychologe Platt in der Studie "The American University" das in die Krise geratene US-Universitätssystem. Den theoretischen Bezugsrahmen gibt dabei das systemtheoretisch-kybernetische "Vier-Funktionen-Schema" ("AGIL-Schema") ab, das über soziale Systeme hinaus auf die "Conditio Humana" angewendet wird. Die "Theorie der symbolisch generalisierten Kommunikations- und Austauschmedien" (Medientheorie) soll dabei dazu dienen, die vielfältigen sozialen Dynamiken unter z.B. Universität und Wirtschaftssystem, aber ebenso unter Bildung und Persönlichkeit transparent zu machen.

 2 Bewertung

Gegenwärtig (2004) lassen sich außer Uta Gerhardt, Karl-Heinz Messelken und Richard Münch nur wenige glühende Verfechter von Talcott Parsons Soziologie ausmachen. Zu vernichtend wurde besonders der Strukturfunktionalismus in den 1950er und 1960 Jahren nicht nur von Marxisten und Vertretern der Kritischen Theorie, sondern ebenso von liberaler Seite (z.B. von Ralf Dahrendorf) kritisiert, so dass der soziologische Nachwuchs entweder die Chance aufgriff, einen schwierigen und mehrere Fachdisziplinen überblickenden Autor einfach nicht mehr zu lesen oder sich alternativen Theorieentwürfen zuzuwenden. Summarisch und stichwortartig lässt sich diese Generalattacke so darstellen:
1. Der Strukturfunktionalismus geht eine unheilvolle Allianz mit dem Freudschen Ödipalismus ein. Der zum "Persönlichkeitssystem" zusammengefaltete Mensch folgt, soweit er sich nicht "abweichend" (deviant) verhält, zwanglos den normativen Vorgaben ihm übergeordneter Systemstrukturen.
2. Orthodoxe Strukturfunktionalisten schematisieren Handlungsoptionen binär und lassen folglich Ambivalenzen und hybride Formen des Handelns aus dem systemischen Ordnungsrahmen herausfallen.
3. Dem Systemfunktionalismus liegt ein teleologischer Evolutionismus zugrunde. Die amerikanische Gesellschaft erscheint als zivilisatorischer Gipfelpunkt der Entwicklung. Systemkrisen und Spannungen erscheinen stets rational behebbar.
So verheerend diese Kritik ebenso jederzeitausgefallen sein mag, hat sie doch eine Trümmerlandschaft hinterlassen, aus deren Ruinen sich Neuansätze rekonstruieren lassen. So bietet die Theorie des voluntaristischen Handelns des Parsonsschen Frühwerks, für sich betrachtet, ein durchaus radikales Potenzial. Sein Systemfunktionalismus des Spätwerks, einschließlich der Theorie der Interaktionsmedien, hat schon Eingang in emanzipatorische Entwürfe gefunden. Louis Althussers Strukturalismus, aber ebenso Jürgen Habermas' Kritik des Spätkapitalismus haben von Parsons produktiven Gebrauch machen können. Schließlich lässt sich seine Apologie der US-Gesellschaft als imperiale Denkarbeit begreifen, die jedwede Kritik globaler Produktionsverhältnisse zur Kenntnis nehmen sollte.
Doch bildete Parsons' Werk den Ausgangspunkt für unterschiedliche systemtheoretische Ansätze in der Soziologie. So hat sich in Deutschland speziell Niklas Luhmann einerseits dekonstruktiv anregen lassen, anderseits Richard Münch ihn zum Anlass theoretischer Rekonstruktion genommen.
Mit Alfred Schütz führte Parsons in den 1930er Jahren einen Briefwechsel, der in beiderseitiger Frustration endete, aber sehr gut die theoretische Orientierung Parsons' in Abgrenzung zur Phänomenologie zeigt. (Walter M. Sprondel, Hrsg. (1977). Zur Theorie sozialen Handelns: ein Briefwechsel Alfred Schütz - Talcott Parsons. Frankfurt am Main)
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