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 A4 (Rakete) - Definition und Bedeutung

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V2 (Peenemünde)
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V2 (Peenemünde)
Das A4 (Aggregat 4), bekannter als die "V2" (Vergeltungswaffe 2), war die erste funktionierende Groß-Rakete. Sie wurde vom NS-Regime als Artillerie-Rakete großer Reichweite konzipiert und gegen Ende des Zweiten Weltkriegs in großer Zahl entsprechend eingesetzt.
Inhaltsverzeichnis
7 Weblinks

 1 Entwicklung

Entwickelt wurde die V2 durch ein Team von Wissenschaftlern und Ingenieuren um Wernher von Braun, dem Leiter der Raketenabteilung im Peenemünde. Ihre Vorgängermodelle waren nur teilweise siegreich: A1 (bei Brennversuch in Kumersdorf explodiert), A2 (1934 2 siegreiche Starts in Borkum), und A3 (vier Fehlstarts im Dezember 1937), erst als A5 1938 siegreich. Die V2 (A4) wurde erstmals im März 1942 getestet. Aber erst am 3. Oktober gelang ein siegreicher Start. Bei diesem Testflug erreichte sie mit einer Spitzengeschwindigkeit von Mach 4 eine Gipfelhöhe von 84,5 km. Nach dem ersten Luftangriff auf Peenemünde am 17. August 1943 wurden aus Tarngründen viele Versuchsstarts der V2, speziell zur Ausbildung der Raketeneinheiten, in Blizna und auf der Tucheler Heide durchgeführt. Allerdings ging ebenso in Peenemünde (einschließlich der Greifswalder Oie) der Start von Versuchsraketen bis zum 21. Februar 1945 weiter.

 2 Aufbau

Die A4 war 14 m hoch und hatte eine Masse von 13,5 Tonnen.

 2.1 Steuerung

Vier Strahlruder aus Graphit direkt im Gasstrom und die vier Leitwerke sorgten für die Stabilisierung des Flugs. Sie wurden über Servomotoren bewegt, welche ihre Steuerinformationen von den zwei Kreiseln in der Raketenmitte erhielten. Ein Kreisel war für die Pitch-Achse und der andere für die Roll- und Yaw-Achse zuständig. Wenn die Rakete aus der eingestellten Route hinausflog, wurde das von den Gyroskopen registriert und die Servomotoren der Strahlruder und Leitwerke zur Korrektur des Kurses angesteuert.
Die beim Start eingestellte Zeitschaltuhr sorgte dafür, das der Neigungswinkel über dem Ziel verändert wurde, also die Bombe auf das Ziel kippte.

Einer der zwei Kreisel (Gyroskope) in einer A4, die für die Kurskorrekturen sorgten.
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Einer der zwei Kreisel (Gyroskope) in einer A4, die für die Kurskorrekturen sorgten.
Die Zeitschaltuhr in einer A4
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Die Zeitschaltuhr in einer A4
Einer der vier Servomotoren für das Leitwerk
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Einer der vier Servomotoren für das Leitwerk
Die Treibstoffpumpe einer A4 (teilweise aufgesägt, Sauerstoff (rot), Alkohol (gelb))
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Die Treibstoffpumpe einer A4 (teilweise aufgesägt, Sauerstoff (rot), Alkohol (gelb))

 2.2 Antrieb

Sie war eine Flüssigkeitsrakete und wurde mit Alkohol und Sauerstoff angetrieben. Die Rakete erreichte nach einer Brenndauer des Raketentriebwerks von ca. 60 Sek. ihre Höchstgeschwindigkeit von ca. 5.500 km/h (etwa Mach 5). Da der gesamte Flug bei einer Reichweite von 250-300 km nur 5 Minuten dauerte, gab es keine Abwehrmöglichkeit gegen die Rakete. Der Sprengstoff von 1.000 kg war in der Raketenspitze untergebracht.

 3 Fertigung

Gefertigt wurde die Raketenwaffe in einem unterirdischen Industriekomplex im Dora-Mittelbau in Nordhausen. Hier wurden während des Zweiten Weltkrieges 5.975 Raketen [1] (http://volkerradke.looplab.org/peenemuende.html) von den Häftlingen gebaut. Neben den unmenschlichen Bedingungen für die Häftlinge, der schlechten Bekleidung für die kalten Stollensysteme und der miserablen Verpflegung wurden bei Sabotage aber ebenso bei jedem Blindgänger unter den Raketen die Insassen schwer bestraft. Beim Bau der V2-Rakete sind ca. 8.000 Zwangsarbeiter ums Leben gekommen.

 4 Einsatz

Schwarzweißbild eines Test-Abschusses der V2
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Schwarzweißbild eines Test-Abschusses der V2
Mit Sprengköpfen bestückt, bombardierte sie ab 6. September 1944 englische und belgische Städte, vor allem London und Antwerpen von mobilen Startrampen aus. Zwar war die Treffergenauigkeit klein, aber die plötzlichen Einschläge der "Wunderwaffe" ohne Vorwarnung hatten vor allem psychologische Wirkung auf die Zivilbevölkerung. Insgesamt kamen ungefähr 3.200 Raketen zum Einsatz.
· V2 Angriffe auf England
· London 1.358
· Norwich/Ipswich 44
· V2 Angriffe auf Frankreich
· Lille 25
· Paris 22
· Tourcoing 19
· Arras 6
· Cambrai 4
· V2 Angriffe auf Belgien
· Antwerpen 1.610
· Liege 27
· Hasselt 13
· Tournai 9
· Mons 3
· Diest 2
· V2 Angriffe auf die Niederlanden
· Maastricht 19
· V2 Angriffe auf Ziele in Deutschland
· Remagen 11 (nachdem die Brücke von Remagen von den Alliierten eingenommen war)Die letzte Rakete wurde am 27. März 1945 von den Deutschen gestartet.
Insgesamt starben mehr als 8.000 Menschen bei V2-Angriffen.

 5 Weiterentwicklung

Start einer modifizierten V2 am 24. Juli 1950 von Cape Canaveral
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Start einer modifizierten V2 am 24. Juli 1950 von Cape Canaveral
V2 (Smithsonian Air & Space Museum, Washington)
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V2 (Smithsonian Air & Space Museum, Washington)
Wernher von Brauns ursprüngliche Zielrichtung war eher zivil, wie aus den weltraumtauglichen Entwürfen A9-A12 mit ihren Astronautenkapseln hervorgeht. Nach dem V2-Angriff auf London am 8. November 1944 soll er gesagt haben: Das hätte nie geschehen sollen... Wir haben diese Rakete gebaut, um das Tor zu anderen Welten zu öffnen - nicht um Verwüstungen auf dieser Erde anzurichten. Soll das die Frucht unserer Arbeit gewesen sein?. Tatsache ist allerdings, daß von Braun seine Tätigkeit im Sinne der NS-Machthaber bis Kriegsende fortsetzte.
Am 24. Januar 1945 wurde in Peenemünde eine geflügelte Version der A4-Rakete, die A4b, erstmals siegreich gestartet. Sie sollte die doppelte Reichweite der A4 erreichen, stürzte allerdings wegen eines Flügelbruchs vorzeitig ab. Es kam zu keinem zusätzlichen Start dieses Flugkörpers mehr.

 6 Nach dem Krieg

Am 2. Mai 1945 stellte sich von Braun der US-Army und wurde zusammen mit anderen Wissenschaftlern aus seinem Team in die USA geschickt.
Die Briten ließen im Oktober 1945 die V2 in der Nähe von Cuxhaven starten, um Vertretern der alliierten Besatzungsmächte die "Wunderwaffe" V2 beim Start zu demonstrieren (Operation "Backfire").
Etwa 100 Beuteexemplare der V2 wurden obendrein vor dem Einmarsch der Roten Armee von den Amerikanern in Nordhausen demontiert und in die USA verfrachtet. Sie bildeten die Basis der Raumfahrtentwicklungen in den USA. Eines dieser Exemplare kann im National Air and Space Museum in Washington DC begutachtet werden. Die Übersiedlung der führenden Raketentechniker ab Sommer 1945 in die USA lief im Rahmen der geheimen Operation Overcast.
Teststarts mit erbeuteten V2-Raketen in den USA erfolgten von White Sands in New Mexico. Die Modifizierung der V2 mit einer WAC Corporal-Rakete als 2. Stufe nennt man Bumper. Die ersten Raketenstarts von Cape Canaveral in Florida wurden 1950 mit Bumper-Raketen durchgeführt.
In Huntsville Alabama wurde ein neues Raketenzentrum gegründet, und zusammen mit den Deutschen Wissenschaftlern wurden hier auf dem Testgelände im Allgemeinen 67 V2 Raketen abgefeuert. Sie bildeten den Grundstock für die späteren Mondraketen.
Ebenso wurde von der UdSSR eine große Anzahl von deutschen Wissenschaftlern und die Reste der Raketentechnik in die Sowjetunion gebracht, um dort gleichfalls den Grundstock für spätere Entwicklungen zu bilden. Die sowjetische R1-Rakete war der direkte Nachbau der V2. Sie wurde erstmals 1947 vom Testgelände Kapustin Jar gestartet.
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