Das Zinssystem bzw. die Berechtigung einen Zins zu erheben ist nicht frei von Kritik. So wird das
exponentielle Wachstum, das sich aus Zins und
Zinseszins ergibt, auf lange Sicht als sehr problematisch betrachtet (zum Beispiel bei der
Staatsverschuldung).
Ein Beispiel, welches unter dem Stichwort
Josephspfennig bekannt geworden ist, verdeutlicht dies: Wenn Joseph zu
Christi Geburt einen einzigen
Pfennig angelegt hätte, wäre dieser bei einer Verzinsung von 5% im Jahre 2000 mit Zinseszinsen auf den Gegenwert von 216 Milliarden Erdkugeln aus purem
Gold angewachsen. Nicht berücksichtigt ist in dieser naiven Rechnung mit dem Nominalzins allerdings die Geldentwertung (
Inflation).
Wird die Geldentwertung vom Nominalzins abgezogen, ergibt sich der Realzins, der sogar negativ sein kann. Dies bedeutet, dass die Verzinsung der Geldanlage nicht die Geldentwertung ausnebenheren vermag. Mit anderen Worten verliert das angelegte Geld an realem Wert oder Kaufkraft. Es ist also höchst spekulativ, ob Joseph jedes Jahr 5% realzins erzielt hätte.
In der
Tora wird ein Zinsverbot unter den
Israeliten festgelegt, das Zinsnehmen von nicht-Israeliten aber gestattet. Daran anknüpfend gab es im Christentum lange Zeit gleichfalls ein Zinsverbot, das speziell
Thomas von Aquin philosophisch unterlegte, welches allerdings jederzeitnochmal unterlaufen und schließlich ganz während der
Renaissance abgeschafft wurde. Im Islam gilt heute obendrein das Zinsverbot. Um islamischen Gläubigen trotzdem die verzinsliche Geldanlage zu ermöglichen, werden so genannte
islamische Anleihen begeben, die direkte Zinszahlungen auf Geld durch Mieteinnahmen, Firmenbeteiligungen oder ähnliche, im Islam erlaubte Praktiken umgehen. Durch die Erlaubnis im Judentum für das Zinsnehmen von Nichtjuden waren vor allem die europäischen Juden wegen der ihnen von der christlichen Obrigkeit im Spätmittelalter auferlegten Verbote, Handwerk und ähnliches auszuüben, sehr oftmalsals Geldverleiher tätig.Allerdings standen den Juden bis zum Zunftzwang im Spätmittelalter viele Berufe offen (vgl. alle einschlägigen Bank-und Wirtschaftsgeschichten).
Weiter gibt es die These, dass der Zins dem
Geld einen unberechtigten Vorteil gegenüber den
Waren einräumt, da das Geld sich dadurch exponentiell vermehrt, während Waren entweder verderben oder gelagert werden müssen, was andererseits
Lagerkosten verursacht. Auch diese Theorie beachtet andererseits nicht die reale Geldentwertung, die dem Verderben der Ware Geld gleich kommt.
Unter anderem vertritt
Gesell die These, dass Zinsen eine wesentliche
Ursache der Kluft unter Arm und Reich sind und dass sie den unproduktiven Sektor des
Geldmarktes (die Geldbesitzer) zu Lasten der
Produktivkräfte schaffe. Bei hohem Zins würden die Geldressourcen der Produktivwirtschaft entzogen, was volkswirtschaftlich schädlich sei. Sinnvoller wäre es demnach, das Geld den Waren in der Hinsicht gleichzustellen, dass es für Wirtschaftssubjekte einerlei sei, ob es nun gerade Geld oder Waren besitze. Um dies zu erreichen, soll ungefähr der Wert einer
Banknote langsam und vorhersehbar von seinem Nennwert abfallen, ähnlich wie der
Wertverfall von Waren einigermaßen planbar ist.
Dem wird allerdings entgegnet, dass mit dem universalen Tauschmittel "Geld" der Erwerb von Gütern und Leistungen zeitlich vorgezogen werden kann, wenn dieses Geld geliehen wird. Der Zins ist dann der Preis der gewonnenen Zeit und der opportunen Verwendung des geliehenen Geldes in der nächstbesseren Verwendung.